Bild "Shivaratri"

In diesem Gemälde beschäftigt sich Kalyani mit Maha Shivaratri, der „großen Nacht Shivas“. Das bedeutende hinduistische Fest ist dem Gott Shiva gewidmet und steht für innere Einkehr, Erneuerung und die Überwindung von Dunkelheit und Unwissenheit. Anders als viele farbenfrohe Feste wird Shivaratri vor allem in der Stille der Nacht begangen. Gläubige fasten, meditieren, sprechen Gebete und bleiben teilweise bis zum Morgen wach.

Shiva gehört zu den wichtigsten Gottheiten des Hinduismus. Er wird als Zerstörer bezeichnet, doch diese Bezeichnung ist nicht ausschließlich negativ zu verstehen. Shiva zerstört das Vergängliche, Überholte und Erstarrte, damit etwas Neues entstehen kann. Er verkörpert damit den ewigen Kreislauf von Werden, Vergehen und Erneuerung. Zugleich gilt er als großer Yogi, der in tiefer Meditation Ruhe, Selbstbeherrschung und spirituelle Erkenntnis ausstrahlt.

In Darstellungen ist Shiva häufig an seiner bläulichen Haut, dem dritten Auge auf der Stirn und dem Halbmond in seinem Haar zu erkennen. Das dritte Auge steht für eine Erkenntnis, die über die gewöhnliche Wahrnehmung hinausgeht. Um seinen Hals trägt Shiva oft eine Schlange, die als Zeichen der überwundenen Angst und der beherrschten Lebensenergie gedeutet werden kann. Der Dreizack symbolisiert unter anderem die Kräfte des Erschaffens, Bewahrens und Zerstörens. Mit der kleinen Trommel, der Damaru, wird der Rhythmus der Schöpfung verbunden.

Mit Maha Shivaratri sind verschiedene religiöse Überlieferungen verknüpft. In einer bekannten Erzählung erinnert das Fest an die Verbindung von Shiva und der Göttin Parvati. Andere Traditionen bringen diese Nacht mit Shivas kosmischem Tanz, dem Tandava, oder mit seiner Erscheinung als unendliche Lichtsäule in Verbindung. Gemeinsam ist diesen Deutungen die Vorstellung einer besonderen Nacht, in der die Grenzen des Alltäglichen überschritten werden können.

Kalyanis Gemälde lässt sich daher nicht nur als Darstellung einer religiösen Überlieferung betrachten. Es kann zugleich als Einladung verstanden werden, innezuhalten, alte Belastungen loszulassen und der eigenen inneren Stimme Raum zu geben. Shivaratri erinnert daran, dass aus Stille neue Kraft und aus jedem Ende ein neuer Anfang entstehen kann.